Das Bild zeigt Pfr. Offenberger während er von seinen Konfis interviewt wird.

„Glaube geht euch selber an und hat etwas mit euch zu tun.“ – Pfr. Offenberger © Fabian Weiss

Interview | 20.03.2018 | Konfis aus Augsburg

„Der Glaube geht euch selber an“

Auch Pfarrer waren mal Konfis. Die Jugendlichen aus Augsburg haben die Konfi-Fahrt genutzt und haben ihren Pfarrer Bernhard Offenberger ausgefragt. 

Wollten Sie schon immer Pfarrer werden und warum?

Darauf wäre ich als Kind oder Jugendlicher nie gekommen. Ich dachte immer, dass ich Naturwissenschaften studieren würde. Nach dem Abitur habe ich aber einen Freiwilligendienst in Argentinien absolviert, da hat es mich gepackt. Es hat mich fasziniert, wie die Leute in der Gemeinde das gelebt haben, was sie glauben. In der Zeit habe ich gemerkt, das ist ein Bereich da möchte ich dabei sein.

Sind sie in einer religiösen Familie aufgewachsen?

Ja, Religion hat in meiner Familie immer eine Rolle gespielt. Mein Vater war katholisch und meine Mutter Baptistin. Ich bin in einem kleinen Dorf im Allgäu aufgewachsen, in dem fast alle katholisch sind. Ich habe schon recht früh gemerkt, was es heißt nicht katholisch zu sein und habe mich gefragt, was es für mich bedeutet, evangelisch zu sein.

Wie würden Sie Ihre eigene Konfi-Zeit beschreiben?

Bei mir war das noch ziemlich anders als heute. Ein bisschen wie Schule. Wir haben uns jede Woche Mittwoch getroffen. Es gab sogar Arbeitsblätter. Da ich in einer religiösen Familie aufgewachsen bin, habe ich zu Hause bereits viel mitbekommen. Da war dann in meiner Konfi-Zeit nicht viel Neues für mich dabei. Was ich euch Konfis heute mitgeben möchte, ist dass es nicht nur darum geht, bestimmte Dinge zu wissen, sondern dass ihr Fragen entwickeln und weiterdenken könnt und sollt.


Was haben Sie in Ihrer Konfi-Zeit vermisst?

Ich glaube, damals hätte ich gar nicht sagen können was ich vermisst habe. Früher war es so: Es gibt ein Thema, und darüber lerne ich was und dann weiß ich was. Das hat mich damals nicht sehr ermutigt. Heute, wenn ich mir überlege, wie ich die Zeit für euch Konfis gestalten möchte, denke ich, es wäre schön gewesen, hätten wir mehr Fragen und eigene Themen besprechen können.

Warum ist es Ihnen wichtig, uns Konfis die Religion zu vermitteln?

Ich möchte euch die Freude und die Schönheit weitergeben, die ich mitbekommen habe. Für mich ist der Glaube eine Sprache, die mir hilft Sachen auszudrücken, die sonst nicht so leicht zu erklären sind. Ich möchte euch diese Sprache beibringen. Weil man Gefühle, seine Wünsche und Träume, aber auch was einem als Last auf dem Herzen liegt in dieser Sprache sagen kann. Vielleicht ist das ein bisschen so wie mit dem Vater Unser: Manchmal hat man eigene Wort im Gebet und manchmal braucht man Worte die andere schon formuliert haben und die perfekt passen.

Wie sollte der Konfi-Unterricht nicht sein?

Ich hoffe vor allem, dass ihr nicht den Eindruck habt, ihr müsst etwas Bestimmtes sagen und dann ist es richtig und gut. Ihr sollt euch selber Gedanken machen und könnt euch ausprobieren. Ich hoffe auch, dass ihr unterschiedliche Dimensionen kennenlernt, dass ihr merkt Christsein heißt nicht nur: Ich geh regelmäßig in den Gottesdienst oder ich weiß bestimmte Dinge. Natürlich sollt ihr euch auch im Gottesdienst und in der Gemeinde auskennen, aber ihr sollt sehen, Glaube geht euch selber an und hat etwas mit euch zu tun.

Das Bild zeigt Pfarrer Offenberger bei einer Taufe während des Konfi-Camps 2017.

Pfarrer Offenberger bei einer Taufe während des Konfi-Camps 2017 © Gemeinde Augsburg

Tags: Glauben, Jugend, Ziele


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