Grüß Gott

Dem lieben Gott begegnet man schließlich auch in Bayern nicht einfach so auf der Straße. © iStock/CSA Images

Artikel | 29.06.2016 | Almut Steinecke

Warum sagt man eigentlich "Grüß Gott"?

Ist der liebe Gott vielleicht ein Bayer? Oder aus welchem Grund grüßt man ihn in Süddeutschland so häufig?

Zusammenfassung

  • Wenn jemand "Grüß Gott" sagt, soll Gott dich grüßen, nicht umgekehrt.
  • Begründet ist das im Segenswunsch, und soll heißen, dass Gott gnädig sein soll.
  • Tschüss kommt übrigens von Adios und das heißt übersetzt "zu Gott".

In Süddeutschland sagt man natürlich auch Guten Tag oder Hallo oder Hi. Aber es gibt noch eine weitere Begrüßung, die man ziemlich oft hört: Grüß Gott. Was bedeutet dieser Ausspruch eigentlich? Dem lieben Gott begegnet man schließlich auch in Bayern nicht einfach so auf der Straße. Das ist mit Grüß Gott nicht gemeint. Es ist genau umgekehrt: Wenn mir jemand Grüß Gott sagt, dann soll Gott MICH grüßen. Gott soll mit mir sein, soll mir begegnen in meinem Alltag.

Grüß Gott

Grüß Gott! © Facebook/egonforever

Ein schöner Gruß also, fast so etwas wie ein Segen. Denn wie heißt es am Ende des Gottesdienstes? "Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden."

Anschauen ist besser

Dieser Segenswunsch ist schon ziemlich alt. Er steht im 4. Buch Mose (6,24) und wird aaronitischer Segen genannt. Die merkwürdigen Formulierungen mit dem Angesicht stammen aus der Zeit der alt-orientalischen Herrscher. Wenn ein Untertan vor seinen Herrscher trat, kam es nämlich darauf an, ob dieser „sein Angesicht über ihn hob“ – ob er ihn also ansah. Wenn er das tat, war alles in Ordnung, und der Untertan konnte mit Aufmerksamkeit und guter Stimmung rechnen. Wenn der Herrscher sein Angesicht jedoch nicht erhob, war es für den Untertan besser, gleich wieder zu verschwinden.

Gott versteckt sich im Gruß

Der Segen aus dem Gottesdienst wünscht den Menschen also das Gleiche wie Grüß Gott. Gott soll gnädig mit ihnen sein. Er soll die Menschen ernst nehmen und sie wohlwollend ansehen.
Der liebe Gott versteckt sich übrigens auch in manchem Abschiedsgruß. Unser locker-flockiges Tschüss kommt vom spanischen Adios, und das bedeutet nichts anderes als „zu Gott“ (a dios).


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