Was haben diese Situationen gemeinsam? Richtig: Sie sind VOLL PEINLICH. Man schämt sich und möchte am liebsten nur noch weg, am besten irgendwo im Boden versinken. Jede und jeder kennt dieses Gefühl, und eigentlich würden wir ganz gerne darauf verzichten.
Was wir dabei übersehen: Sich zu schämen ist eine richtig exklusive Sache, die nur wir Menschen „beherrschen". Tiere finden nix peinlich, also schämen sie sich auch nicht. Obwohl: ganz sicher kann man da auch nicht sein.
Betrunkene Rüsseltiere
Elefanten zum Beispiel fressen manchmal vergorene Früchte, in denen Alkohol enthalten ist. Irgendwann haben sie dann einen Schwips. Und man hat festgestellt, dass sie sich im Rausch lieber von der Herde absondern und allein sein möchten - vielleicht, weil sie sich schämen?
Zurück zu uns Menschen. Da es so unangenehm ist, sich zu schämen - warum tun wir's dann überhaupt? Wenn
wir uns schämen, wird uns klar: Wir haben irgendwo Mist gebaut. Haben jemandem Unrecht getan oder uns blöd angestellt oder gegen Regeln verstoßen. Erst wenn uns das auffällt, kommt dieses blöde Gefühl von Peinlichkeit und Scham. So gesehen ist Sich-Schämen gar keine schlechte Sache, denn es ist so was wie der erste Schritt zur Besserung. Ich weiß jetzt, dass ich Mist gebaut habe, und nur so kann ich daran was ändern.
Das Dumme ist nur: Wir schämen uns oft auch für Dinge, die uns eigentlich gar nicht peinlich sein müssten. Für unser Aussehen, für schlechte Noten oder für die Schrankwand unserer Eltern. Für all das können wir eigentlich nichts (okay: fast nichts), und doch ist es uns unangenehm. Wir haben einfach ein anderes Bild von uns selbst. Wir wären gern schlank oder erfolgreich oder hätten gern hippe Eltern. Und wenn die Wirklichkeit ganz anders aussieht, ist uns das ... genau: voll peinlich.
Peinlich für Adam und Eva
Die Bibel beginnt mir einer Geschichte, in der es um genau diese Peinlichkeit geht. Adam und Eva leben friedlich in ihrem Garten Eden. Die Welt ist in Ordnung, nichts ist peinlich, es gibt keinen Grund sich zu schämen. Doch dann passiert diese dumme Sache mit den Früchten und der Schlange. Obwohl Gott es ihnen verboten hatte, essen Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis. Weil sie das Verbotene reizt. Weil sie MEHR wollen als das, was Gott ihnen gegeben hat. 
Und kaum haben sie gegessen, wird ihnen auch schon bewusst, was sie da getan haben. Ihnen fällt plötzlich auf, dass sie die ganze Zeit nackt herum gelaufen sind. Sie merken auf einmal, dass sie, ja: Mist gebaut haben. Der ganze Vorfall ist ihnen so peinlich, dass sie sich vor lauter Scham vor Gott im Garten verstecken wollen. Aber Gott findet sie natürlich, und er ist auch ziemlich sauer.
Er verhängt eine Reihe von Strafen gegen Adam und Eva und wirft sie aus ihrem Garten Eden hinaus, damit sie nicht noch mehr Blödsinn anstellen. Nur eines macht er nicht: sie verspotten. Gott macht sich nicht lustig über die Scham von Adam und Eva. Er lacht sie nicht aus, als er ihren selbstgebastelten Lendenschurz aus Feigenblättern sieht. Stattdessen macht er ihnen „ordentliche“ Kleider aus Fellen und hängt sie ihnen sogar um. Um es mal sportlich zu sagen: Obwohl er „im Recht“ ist, bleibt Gott fair. Er sieht, dass Adam und Eva sich schämen, aber er reitet nicht noch extra darauf herum. Er tritt nicht auch noch nach.
Gott tritt nicht nach
Für Menschen, die fair miteinander umgehen wollen, ist das eine wichtige Geschichte. Sie zeigt, dass wir nun mal Schwächen haben, dass wir nicht perfekt sind. Selbst in einem paradiesischen Garten kriegen wir es noch hin, unzufrieden zu sein und uns daneben zu benehmen. Auch wenn es uns danach sofort furchtbar leid tut: so sind wir halt.
Die Geschichte zeigt aber auch, dass Menschen in Gott einen fairen Partner haben. Er weiß über unsere Schwächen Bescheid, er versucht uns sogar davor zu beschützen. „Esst nicht von diesen Früchten!“ sagt er extra zu Adam und Eva. Aber wenn's dann doch mal schief geht, hört Gott trotzdem nicht auf, sich um uns zu sorgen. Er zeigt nicht mit dem Finger auf uns und lacht sich eins. Gott hat keine Freude an der Schadenfreude.
Wir werden es wohl nicht verhindern können, dass uns auch weiterhin Dinge peinlich sind und wir uns schämen. Aber immerhin können wir davon ausgehen, dass das a) völlig normal ist und b) wenigstens Gott unsere Situation nicht ausnutzen wird.
Denn peinlich ist nicht die Peinlichkeit, peinlich ist, sich auch noch darüber lustig zu machen.