Pfarrerin Petra Kringel beantwortet deine Mail und sagt bestimmt nichts weiter.

Hier schreibst du selbst!

Es gibt ungewöhnliche Hobbys, die nicht jeder macht. Seltene Sportarten wie Fechten, zum Beispiel. Oder tropische Käfer züchten. Konfiwebber michi1989 stellt hier sein Hobby vor, denn das ist für sein Alter fast so ungewöhnlich wie Käfer züchten: michi1989 spielt Kirchenorgel. Und das sogar ziemlich gut.

Für die meisten Kirchgänger gehört das Orgelspiel zum Gottesdienst dazu. Andere verbinden die Orgel mit alter, eher langweiliger Kirchenmusik und würden sie am liebsten durch eine Band ersetzen. Was die wenigsten wissen: Orgel zu spielen ist eine echte Kunst – und manchmal auch richtig harte Arbeit. michi1989 erzählt:

Kalte Finger inklusive

Die Arbeit eines Organisten beginnt schon ein paar Tage vor dem Gottesdienst: Er muss sich die Lieder und den Ablauf vom Gottesdienst besorgen, die passende Liturgie heraussuchen und natürlich auch ein gutes Vor- und Nachspiel haben; das alles muss dann auch noch bis zum Sonntag so gut wie möglich sitzen. michi1989 bei einem "Gastspiel" an der Dom-Orgel in Speyer

Im Winter kommt dann auch noch der Faktor Kälte beim Üben dazu, da nicht jeder Organist den Luxus hat, eine Heimorgel zu besitzen und deswegen in der unbeheizten Kirche üben darf …

Der Sonntag selber beginnt dann schon früh. Ich selber bin immer schon um 8.00 Uhr in der Kirche, um noch einmal alles durchzuüben und alles herzurichten und die Heizungen an der Orgel alle einzuschalten, damit es später beim Gottesdienst nicht kalt ist.

Nickerchen während der Predigt

Um halb 10 geht es dann los. Hier ist dann Konzentration gefragt: Nach dem Orgelvorspiel und der Begrüßung schließt sich an das Eingangslied gleich eine Menge Liturgie (Introitus, Kyrie...) an, wo beinahe alles nahtlos ineinander übergeht. Da ist es dann wichtig, sich vorher die Noten alle gut hergerichtet zu haben, sonst wäre man da aufgeschmissen – da spielt man dann z.B. die letzten Takte des Gloria in Excelsis nur noch mit einer Hand und den Füßen, während man mit der anderen Hand schon zum Glorialied weiterblättert. Aber es kann schon mal passieren, dass man dem Pfarrer mal aus Versehen das Wort abschneidet ;-)

Nach dem Glaubensbekenntnis folgt dann meistens das nächste Lied. Bei den Liedern ist es manchmal ganz lustig, wenn einem der Pfarrer auf den Ablauf andere Strophen aufgeschrieben hat, als an den Liedertafeln angesteckt sind ...Zeit für ein Nickerchen? Besser nicht ...

Während der Predigt hat man dann erst mal etwas Ruhe. Da kann man dann schon mal den zweiten Teil vom Gottesdienst vorbereiten, soweit es geht, ein kleines Nickerchen machen oder sich einfach nur langweilen – oder dem Pfarrer zuhören.

Nach der Predigt kommt sofort der nächste Choral. An dieser Stelle würde bei einem Abendsmahl-Gottesdienst noch die ganze Abendsmahl-Liturgie hinzukommen, bei der auch wieder viel Konzentration gefragt ist, damit alles reibungslos abläuft. Für die meisten Gottesdienstbesucher kommt das vielleicht alles so locker und leicht rüber, ist es aber gar nicht für den, der da spielt. Bei einem stinknormalen Sonntagsgottesdienst kommen dann aber nur noch die Abkündigungen, dass Fürbittengebet, das Vaterunser und ein Liedvers.

Zum Schluss noch der Segen, und der Organist kann dann mal die so richtig zeigen, was er kann und alles reinhauen, was die Orgel so hergibt. Manchmal schließt an den Gottesdienst noch ein kleiner Taufgottesdienst an, den man dann auch noch spielt – Arbeit und Zeit bedeuten ja auch schließlich Geld ;-)

Anspruchsvolle Ausbildung

Ganz schön anspruchsvoll: Die Kirchenorgel wird "mit allen Vieren" gespielt. Hier zu sehen: die Fußpedale.Bis man aber so richtig „offiziell“ spielen darf, muss man erst eine ca. 3,5-jährige Ausbildung machen, die man entweder mit der sogenannten „D-Prüfung“ oder dem C-Examen abschließt. In der Zeit davor sammelt man aber natürlich schon einiges an Erfahrung. Orgelspielen ist außerdem noch um einiges anspruchsvoller als Klavierspielen, da man ja noch mit den Füßen spielt – und das sind nicht nur einfache Sachen, sondern manchmal auch richtig vertrackte Läufe etc. – und jeden noch so kleinen Fehler fast immer hört. Dafür ist dann allerdings das Spiel auf zwei unterschiedlichen Manualen (Tastaturen) eigentlich ganz einfach. Das wirklich Stressige am Organisten-Dasein ist am Anfang immer das Einüben der Lieder und der Liturgie. Mit der Zeit kommt aber zum Glück Routine auf.

Der Pfarrer meinte mal zu mir, dass ich an der Orgel eigentlich die Macht hätte, weil wenn man einfach so mittendrin loslegt ... Orgel mit zwei Manualen. Manche Orgeln haben sogar drei oder vier solcher "Etagen".na ja, kann sich ja jeder selber denken.

Das Interessante ist immer, wenn man in einer anderen Gemeinde mal spielt, weil sich jede Orgel anders spielt und andere klangliche Möglichkeiten besitzt – an einer Dom-Orgel kann man z.B. gewisse Sachen leichter realisieren als an einem kleinen Dorf-Örgelchen mit nur 8 Registern (Klangfarben) und einem Manual.

Wen das Thema noch mehr interessiert, der kann mir einfach ’nen Gästebucheintrag auf meiner Nickpage machen.


Hast du auch Lust, Konfiweb mit zu gestalten? Aber gern! Berichte, Reportagen, Themenvorschläge - wir freuen uns über jede Anregung von dir! Mail uns deine Ideen!

 

Wie findest du diesen Artikel?
  • Artikel mit 6 bewerten
  • Artikel mit 5 bewerten
  • Artikel mit 4 bewerten
  • Artikel mit 3 bewerten
  • Artikel mit 2 bewerten
  • Artikel mit 1 bewerten