Pfarrerin Petra Kringel beantwortet deine Mail und sagt bestimmt nichts weiter.

Hier schreibst du selbst!

Ab und zu stellen sich unter dieser Überschrift Konfis vor, die irgendetwas Besonderes können oder machen. Also: besondere Fähigkeiten, seltene Hobbys, verrückte Erlebnisse. Heute ist herbstraum dran, und die schreibt Geschichten. Wie 'ne richtige Schriftstellerin. Aber lest selbst.

herbstraum hatte uns neulich geschrieben:

"Hi, ich bin herbstraum, ein 13-jähriges Mädel aus Ludwigshafen, und eigentlich ist an mir nichts besonderes. Ich treffe mich in meiner Freizeit gerne mit meinen Freunden, sitze gerne vorm Computer und lese sehr gerne. Ich mache gerne Ballet und Jazzdance.

Mein Lieblingsfach in der Schule ist Deutsch, was ich auch in meiner Freizeit umsetze. Im Klartext: Ich schreibe Geschichten. Und keine schlechten, laut meiner Deutschlehrer. Ich wollte euch an dieser Freude teilhaben lassen und habe 'ne Geschichte mitgeschickt!"

Inzwischen sind aus der einen Geschichte sogar zwei geworden, und hier könnte ihr sie jetzt nachlesen. (Und wem das am Bildschirm zu mühsam ist: Am Ende der Seite gibt's auch eine Druckfunktion zum Ausdrucken.)   

Text 1

Text 2

Gleich zur Druckfunktion (Texte ausdrucken)


BRIDGET BRAUN UND DIE GEFANGENE VON INSEL CALIPSO

An einem netten Sommertag in  Something Coukle, der sich dem Nachmittag zuneigte, war alles ruhig. Ein paar Vögelchen pfiffen Melodien vor sich her. An diesem, wie gesagt, heißen Sommertag lag auf einer Luftmatratze, die im dorfischen See schwamm, niemand anderes als Bridget Braun, die in der Sonne lag und las. Ab und zu nahm sie einen kräftigen Schluck aus einem Cocktailglas.
Wer hätte gedacht, dass dieses Mädchen, das so friedlich in der Sonne lag, bald das größte Abenteuer ihres Lebens machen würde? Wer? Niemand natürlich. Fangen wir mal ganz von vorne an: Es war nun der besagte Tag und die besagte Zeit. Bridget las gerade eine besonders spannende Stelle in ihrem Buch, als eine leere Flasche an die Matratze trieb. Zuerst kümmerte die Flasche Bridget überhaupt nicht. Doch dann wurde sie auf die Flasche aufmerksam, denn sie enthielt ein Papier. Einen Brief! Bridget öffnete die Flasche. Schnell las sie, was in dem Brief stand:

Hallo Unbekannter!
Hilf mir bitte schnell aus meiner misslichen Lage. Ich bin von einer Bande Räuber auf die Insel Calipso entführt worden. Im Moment bin ich auf dem höchsten Berg der Insel gefangen genommen.  Bitte helfe mir sofort. Die Zeit drängt!

Ihre
Lindsay Hamilton, 14 Jahre

P.S.: Vielen, vielen Dank!!!

Bridget stutzte. Wer war Lindsay? Warum war sie entführt worden? Das alles schwirrte ihr durch den Kopf. Nur eines war klar: Sie musste Lindsay retten. Auf  jeden Fall. Das hieß, sie würde mehrere Tage weg sein. Wie sollte sie das ihrer Mutter beibringen? Am besten gar nicht. Aber irgendwie musste sie die vielen Sorgen ihrer Mutter um sich, verbrennen. So blieb ihr nichts anderes übrig, als eine kleine Nachricht zu hinterlassen. Doch erst schrieb sie sich auf, was sie für ihre Reise brauchte. Da wären: 1 Taschenlampe 5 7 Sandwiches 4 Flaschen Wasser 5 Garnituren frische und warme Kleidung 1 Bikini oder Badeanzug Transportmittel (?) 1 Harry Potter Buch zum Zeitvertreib Handy Stifte Papier 3 leere Flaschen Woher sollte sie das alles bekommen? Und wie richten? Das alles schwirrte Bridget im Kopf herum. Ihrer Mutter würden  diese Geheimarbeiten sofort auffallen. Bridget wusste, dass sie all dies nachts machen musste. Nachts, wenn Mutter und Bruder schliefen. Vater hatte sie nicht mehr. Bridget musste aber auch noch die Nachricht schreiben! Dies tat sie ungestört auf dem Klo. Sie schrieb:

Liebe Mami, lieber Mark!
Ihr habt euch bestimmt gewundert, dass ich nicht mehr da bin. Nun, ich bin in geheimer Mission unterwegs,  also sorgt euch nicht. Mir geht es jetzt gut und das wird auch so bleiben. Falls ich doch den Löffel abgebeben würde, bekommt Tamy mein Schminkzeug, Mark Computer und Stereoanlage. Du, liebe Mami, bekommst mein Tagebuch. Es liegt unter meinem Bett. Schreibe deine Unterschrift rein und verbrenne es im Garten auf meinem Lieblingsliegestuhl.  Wartet aber erst auf ein Lebenszeichen. Entweder Flaschenpost oder Handyanruf.
Bis hoffentlich bald,
eure
Bridget Brown, 13 Jahre

Bridget legte den Brief  auf ihren Schreibtisch. Dann rief sie Tamy, ihre beste Freundin, an.
„Hallo, hier bei Tonks “, muffelte Tamy. „Wer stört?“
„Ich!“, platzte Bridget raus. „Deine beste Freundin!“ Augenblicklich muffelte Tamy nicht mehr. „Hi Bridget! Wie geht’s?“, fragte sie und atmete laut. „Gut. Und dir?“, fragte Bridget und setzte schnippisch hinzu: „Schon wieder mit Peter durchgebrannt?“ „Hihi “, grummelte sie. „Peter ist für mich gestorben. Dieser Schlappschwanz kann mich mal!“ „Ach ja?!“ „Jawohl, Bridget, du verrückte Kuh. Du fandest doch immer was an ihm “, kicherte Tamy. „Aber das ist doch sicherlich nicht der Grund, warum du angerufen hast, oder?“
„Nein, ganz bestimmt nicht. Ich wollte dir nur mitteilen, dass ich für ein paar Tage verreise. Großer Schock?“ „Ja! Was denkst du denn? Ich- DARK, DU SCHEISSKERL, WIE KANNST DU UNTER MEINEN ROCK GLOTZEN, DU SCHWULER SACK!!????!!“, brüllte Tamy.
Bridget hielt den Hörer etwas vom Ohr entfernt. Dann beru- higte sich Tamy wieder und redete weiter. „Ja, also, ich finde das schon ein bisschen spontan, aber du musst es ja wissen. Wohin geht denn die Reise?“ „Nach Miami, zu Cousine Judy Jones. Toll nicht? Nach Amerika!“, log Bridget.
„Toll!“, rief Tamy. „Ich freue mich für dich!“
„Ja! Morgen geht es los!“
Tamy schien überrascht.
„Morgen schon? Na, dann viel Spaß!“, sagte sie noch und legte auf.
Bridget fand das ein bisschen komisch, aber sie packte ihre Sachen. Als der Rucksack gefüllt war, (und das war er!) versteckte sie ihn.
Abends schmierte sie die Sandwichs, als ihre Mutter „Wonderful World“ schaute. Ihr Bruder pennte bei einem Freund. Als auch das Essen verstaut war, schleifte sie den Rucksack  vor die
Haustüre. Dann holte sie noch ihr Sparbuch, wo 180 € drauf wa- ren. Schnell legte sie die Nachricht auf den Tisch. Nun zog sie ihre Jacke an und lief aus der Wohnung. Hinter  ihr fiel die Haustüre ins Schloss. Sie lief zur Autobahn. Als sie nach einer halben Stunde vergeblichen Winkens endlich in einem Auto saß, war sie schon erschöpft. Die Autofahrerin war aber sehr freundlich.
„Na Mädchen, wo möchtest du denn hin? Ich fahre bis zum Flug- hafen  Morokett. Musst du noch weiter?“
Bridget schaute der Frau ins Gesicht und sagte, ohne rot zu werden: „Ich muss auch zum Flughafen. Nur ähm, könnten sie mir vielleicht sagen, wo der Flieger nach Calipso abfliegt? Ich muss mir noch mein Ticket holen.“ Die Frau schaute Bridget etwas angespannt an. „Mädchen, heißt dein Ziel wirklich Calipso? Bist du dir ganz sicher, dass es vielleicht doch nach Caleypo geht?“
Die Frau wirkte äußerst ängstlich. Bridget starrte sie überrascht an. „Ähm, auf meiner Nachricht steht Calipso. Aber sie dürfen sich den Brief gerne ansehen.“
Dann erzählte sie der Frau alles. Auch wie sie hieß und wo sie her kam. Die nette Autofahrerin hieß Mary Kinkle.
Die Frau meinte: „Ich kenne Lindsay. Sie wohnt in Miami. Ihre Mutter ist jemand aus meinem reundeskreis. Lindsay ist das schon einmal passiert. Ich erzähle dir die Geschichte.“ Mary setzte sich ein wenig gerader hin.
„Also“, begann sie, „es war vor zwei Jahren. Lindsay war gerade zwölf Jahre alt geworden. Alles begann in einer stürmischen, sehr stürmischen Nacht.“ An dieser Stelle atmete Mary. Dann erzählte sie der vor Neugier fast platzenden Bridget die Geschichte weiter: „Also, ich saß auf dieser Bank am Ufer. Ich war stockbetrunken, konnte nicht mehr klar denken und wäre fast ins Wasser gekippt. Da klingelte plötzlich mein Handy. Ich wunderte mich schon, wer dran war, denn später als zehn ruft mich eigentlich keiner mehr an. Und es war ja schon halb zwölf. Und dann drang eine Stimme an mein Ohr, die ich gut kannte. Die Stimme von Miranda Lohan, Lindsays Mutter. Sie sagte, dass Lindsay verschwunden sei, plötzlich aus ihrem Bett.“ Mary hörte an dieser Stelle auf. Bridget starrte sie erwartungsvoll an.
„Und weiter?“, fragte sie.
„Es gibt kein weiter“, sagte Mary. „Ich weiß nur dass Lindsay drei Tage später wieder daheim war. Ihre Mutter rief mich an.“ Bridget überlegte kurz und verarbeitete das Gehörte. „Das heißt“, sagte sie, „dass ich gar nicht suchen muss? Lindsay war drei Tage später ja wieder in ihrem Bett. Da würde sich die ganze Sache gar nicht lohnen, oder?“ Mary wirkte sichtlich schockiert nach Bridgets Worten. „Natürlich musst du suchen! Du bist doch nicht umsonst von zu Hause ausgerissen! Dass du vier Stunden später wieder heim kommst! Ich glaub’ du spinnst ein bisschen! Nein, ziemlich! Natürlich gehst du suchen! Und zwar mit mir! Ich gehe natürlich mit“, fügte Mary hinzu. Bridget war plötzlich wieder von Tatendrang gepackt. „Wirklich? Na dann auf nach Calipso!“ Der Flughafen Morokett war alt und vergilbt. Er musste schon ziemlich alt sein. Bridget und Mary traten durch einen steinernen Torbogen, an dem ein verrostetes Schild angebracht war. Auf dem Schild stand in vergilbten Lettern: Flughafen Morokett. Bridget mochte den Flughafen nicht. In der Wartehalle waren knapp drei Leute. Eine Frau mit einer langen blauen Jacke, welche ihr unter den Knien hing. Ein Mann mit einem fleckigen alten Hose und ein kleiner Junge, der auf seinen Fingernägeln kaute. Mary ging zu einem der Schalter. Sie klopfte an das staubige Fenster. Der Mann dahinter sah Mary gelangweilt an. „Was möchten sie wissen?“ „Ich würde gerne wissen, wann der Flieger nach Calipso geht.“ „Calipso? Moment, das haben wir gleich“, sagte er und wühlte auf dem unordentlichen Schreibtisch. „Der Flieger nach Calipso geht in 26 Minuten, also um 22.30 Uhr. Zufrieden mit der Auskunft?“ „Ja. Dankeschön“, sagte Mary und ging wieder zu Bridget. Sie kauften Tickets.

Im Flieger war es total witzig. Die Stewardess war sehr nett und wuselte ständig durch die Leute. Als sie ungefähr eine Stunde geflogen waren, zog Mary Bridget näher an sich. „Ich muss dir was erzählen. Wegen Calipso.“ Bridget horchte auf. Bisher hatte sie noch nicht viel über ihr Reiseziel gehört. Mary rutschte etwas tiefer in ihren Sitz.
„Nun“, begann sie, „es ist so: Auf Calipso bekommst du magische Fähigkeiten. Du wirst sofort zaubern können. Und das Beste ist, dass du jeden Spruch wissen wirst. Aber es gibt eine goldene Regel: Du darfst niemals, aber auch wirklich niemals gegen einen Powloupet zaubern. Versprichst du mir das?“ Bridget hatte aufmerksam zugehört. Jetzt sah sie Mary mit glühenden Augen an.
„Wirklich? Ich werde zaubern können? Genial Mary, genial!“
Mary schaute sie skeptisch an.
„Denk dran! Keinen Zauber an einen Powloupet!“
„Warum? Warum darf ich nicht gegen einen Powloupet zaubern? Und was ist das überhaupt?“ Mary zog ein dickes Buch aus ihrem kornblauen Eastpack. „Hier“, sagte sie, „schau es dir an. Seite 254.“ Bridget blätterte im Buch. Endlich fand sie die Stelle. POWLOUPETS Die Powloupets leben meist da, wo Blut vergossen wird. Doch sie können sich auch an Wassern, also auf Inseln, häuslich einrichten. Powloupets töten mit ihrem Blick. Deshalb schaut kein einziger kluger Zauberer in die Augen dieses Geschöpfes. Man darf einen Powloupet auch niemals mit Zaubereien ärgern, denn dann ist man dran.
Gefährlichkeitsstufe 3000
Achtung!
Bridget gab Mary das Buch zurück.
„Na toll. Verfolgt von einem blutrünstigen Todestier. Gibt’s auf Calipso auch tötende Sandkörnchen?“ Mary lachte. „Nein. Ganz bestimmt nicht, hihihi.“ Bridget sah aus dem Flugzeugfenster. Wolken zischten vorbei und ein paar Vögel krachten als mal an die Scheibe.
„Bridget, he Bridget!“, sagte Mary plötzlich. „Die Stewardess ist da! Möchtest du was essen?“ Bridget drehte sich um.
„Ja bitte. Was haben sie denn?“
„Knackwürste, Fleischkäse, oder Frikadelle im Brötchen oder mit Pommes, Schokoriegel, Erdbeertorte, Eiscremé, Tortillas, Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen, Porti- on Spaghetti Bolognaise, Rindersteaks, Flädlesuppe, Blätterteig mit Käsefüllung, Gemüseteller, Salat oder Fish and Chips“, sagte die Stewardess.
Bridget sah sich alles genau an und entschied sich für Frikadelle mit Pommes, Pfannkuchen, Erdbeertorte und einen kleinen Salat. Dazu trank sie Cola. Mary nahm Flädlesuppe, Salat, Gemüseteller und Fleischkäse im Brötchen und Erdbeertorte. Sie trank einen Wein, Sasbacher Winzergenossenschaft, Auslese trocken. Nachdem die beiden 34 € und 50 Cent gezahlt hatten, ließen sie es sich schmecken.
„Lecker!“, sagte Bridget immer wieder und stopfte sich was in den Mund.
Nach sechs Stunden landete sie.
Calipso war eine schöne Insel.
„Lass uns ein Lager aufschlagen“, sagte Mary, „Schlagus Lagus!“
Sofort standen ein riesiges Zelt und eine Feuerstelle da. Mary gähnte. „Eine gute Nacht noch“, lächelte sie und verschwand im Zelt. Bridget ging auch in das Zelt. Es war in zwei Schlafkabinen aufgeteilt. Aus der einen hing Marys Arm. „Gute Nacht!“, flüsterte Bridget und verschwand in ihrer Schlafkabine. Am nächsten Morgen wurde Bridget von Marys Rufen aufgeweckt. „Aufstehen! Frühstück!“ Bridget kuschelte sich aus ihrer Schlafkabine und setzte sich zu Mary, die gerade Wasser erhitzte. „Was gibt’s zum Frühstück?“ „Beeren, was auch immer wir finden.“ „Beeren?! Keine Buttercroissants? Um Himmels Willen!“ „Bridget, wenn du das Übliche nicht willst, dann zaubere dir doch einfach was her!“ „Natürlich! Accio Buttercroissants!“ Im nu waren vor Bridget zwei Buttercroissants im Sand gelan- det. „Lecker!“, stöhnte Bridget. Mary holte sich auch zwei Croissants. Nach dem Frühstück wollte Bridget die Insel erkunden. Die beiden räumten das Frühstück auf und ließen die Stelle, wo sie geschlafen hatten, verschwinden.
Im Dschungel der Insel war es ruhig. Beunruhigend ruhig. Alle zwei Minuten schaute Bridget sich um.
Plötzlich sprang vor ihnen eine Gestalt aus dem Gebüsch und jagte Bridget und Mary einen gehörigen Schrecken ein. Und das   damit nicht genug wäre: Die Gestalt war ein Powloupet.
„Nicht in die Augen sehen, bloß nicht, Bridget!“
Bridget stand wie eingewachsen da.
„Aber... aber...“, stammelte Bridget. Sie war nahe der Verzweiflung. Hier kam sie nie mehr lebend raus. Und wenn, mit verblutendem Körper.
„Mach was, Mary, mach was! Ich will nicht sterben!“, schrie Bridget und konnte keinen einzigen Gedanken mehr fassen.
Mary überlegte nicht lange.
„Crucio! CRUCIO!!“, schrie Mary und hielt den Zeigefinger auf den Powloupet. Dieser fiel auf den Boden und wand sich. Und er schrie. Er schrie so laut, dass die ganze Insel es hören musste. Und dann geschah es: Cirka 20 Powloupets krochen hinter ihren leidenden Kumpan. Bridget schluckte. Das war es. Das war das Ende. Sie sah sich nach Mary um, die wie versteinert die Powloupets anstarrte. Bridget hörte sie einen Spruch flüstern, es war ein Spruch, denn ihr Zeigefinger richtete sich auf die Powloupets. „AVADA KEDAVRA!“, brüllte Mary. Mit einem Schlag fiel ein Powloupet nach dem anderen auf den sandigen Boden. Keiner von ihnen atmete. Sie waren tot.
„Hast du, hast du... sie getötet?“, fragte Bridget Mary.
„Nimm andern das Leben, aber behalte deins“, sagte Mary leise. „Mein Großvater hat das immer gesagt. Ich glaube, er hatte Recht. Aber ich weiß es nicht.“ Bridget schaute auf die toten Powloupets und sagte: „Vollkommen. Er hatte vollkommen Recht.“ Sie setzten sich an eine Palme. Bridgets Blick wanderte von einem Ort zum andern. Nie verweilten ihre Augen lange dort. Jedoch lange genug, um den Ort auszukundschaften. Da fiel ihr etwas ein.
„Mary, würde es dir was ausmachen, wenn ich meine Mutter anrufe? Ich meine, sie macht sich bestimmt Sorgen und...-“ Mary nickte.
Bridget lief hinter eine Palme und tippte ihre Telefonnummer ein. Empfang! „Carry Braun. Wer ist da?“ „Mam, ich bin’s Bridget!“ „Schatz! Wie kannst du nur weglaufen! Was glaubst du eigentlich, was ich mir für Sorgen gemacht habe!“ „Mama, jetzt sei mal bitte nicht sauer! Immerhin habe ich den Mut aufgebracht, weg zu laufen,  was du nie getan hättest!“ „Okay“, sagte ihre Mutter, „wo bist du überhaupt?“ „Das darf ich nicht sagen. Hast du die Nachricht bekommen, die ich geschrieben habe?“ „Natürlich! Erst wollte ich ja die Polizei anrufen, aber Mark hat gemeint, dir ginge es gut. Du hast schon öfter solchen Mist gemacht, habe ich gehört?“ „Quatsch! Wer verzählt den so was?“ „Bridget, sag ich nicht. Hauptsache dir geht es gut. Wann bist du wieder daheim?“ „Vielleicht in einer Woche. Vielleicht bin ich aber auch länger weg. Ich weiß noch nicht“, sagte Bridget. „Eine Woche!? Geht’s dir noch gut, Tochter? Weißt du überhaupt, wie viel Schule du versäumst, wenn du so ewig weg bist?“ „Klar, Mama. Ich muss jetzt auflegen, sonst wird das mit dem nächsten Handyanruf nichts!“ „Tschüss Schatz! Viel Spaß noch!“ Ihre Mutter legte auf und Bridget eilte zu Mary zurück. Die hatte Bridgets Rucksack untersucht und belegte Brote reingemacht, dafür aber die vergammelten Sandwiches weggelegt.
„Wollen wir ins Dorf? Dort können wir mit dem Calipso-Express alle Berge abfahren.“ Bridget nickte. „Lass uns aufbrechen.“ Calipso-City war ein verwinkeltes Dörfchen, über dessen Dächer sich eine gerade Bahnlinie zog. Bridget zerrte Mary zum Ticket- schalter, wo sie zwei Tickets holten. Am Bahnsteig war so gut wie niemand, nur ein Junge, vielleicht zehn, saß auf einer Bank und las in einem Comic. Er beachtete die beiden anderen nicht, die beide jeder zwei Brote verschlangen. Was, wie Bridget 13 Sekunden später feststellte, nicht sehr schlau war. Denn als sie mit dem Express aus dem Städtchen raus war, schlängelten sich die Gleise des Zuges wie eine Achterbahn und ließen Bridget sich fast über geben. In ihren Sitz gekauert, kniff sie die Augen zu. Nach einer halben Stunde Achterbahn hatte sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen.
„Ein Glück! Ich hätte das nicht eine Sekunde länger ausgehalten!“, meinte Mary.
Sie liefen zu einem Infostand.
„´tschuldigung, aber kennen sie in der Gegend irgend ´ne Räuberbande?“, fragte Mary den kleinen Kerl, der am Infostand saß. „Räuberbande? Klaro, die sind da hinten. Halten gerade ein Mädchen gefangen. Aber wenn ich sie wäre, würde ich da nich’ hingehen. Die schlagen ihnen den Kopp vom Rumpf.“ Der Mann schauderte. Marys Augen zeigten Entsetzen. Bridget versteckte sich hinter Marys Rücken. Da drehte sich Mary zu ihr um. „Wir gehen. Und wir holen Lindsay.“

Bridget starrte Mary an, die sich in ihrer Sache wohl sehr sicher war. „Und du bist dir im Klaren, dass das unser letzter Fußmarsch sein könnte?“, fragte Bridget Mary, als sie losgingen.
„Wozu haben wir Zauberkräfte, Fräulein Brown?“
„Ja, aber, du hast im Flieger gesagt, jede Person kann zaubern. Jede! Und diese Räuber scheinen menschliche Wesen zu sein!“ „Ja und? Wir sind taktischer und schlauer. Wir sind Frauen, Bridget! Das alles sind männliche Idioten, dem Infokerl nach!“ „Stimmt. Trotzdem, wir sind hilflos, egal in welcher Perspektive!“ „Das Bridget, das, könnte ich bezweifeln. Stark bezweifeln. Wir
haben gegen 21 Powloupets gewonnen, warum nicht dann gegen 15 Räuber, hm?“ Bridget schwieg. Marys Argumente waren handfest, aber in ihren Augen völlig winzig. Keins dieser Argumente würde gegen Bruta- los helfen.
Sie gingen fünf Stunden schweigend nebeneinander her. Gegen Abend schlugen sie ein Zelt auf, besser gesagt, sie zauberten eines.
Um elf löschte Bridget das Licht. Leise legte sie sich schlafen.

„Mensch, Egon, mach doch nicht so einen Krach! Mein Dolch ist durchgebrochen. Reparo!“ Mit diesen Worten wurde Bridget um ein Uhr morgens geweckt. „Was ist hier los?“, fragte Bridget leise zu Marys Kabine. „Du bist eine Gefangene der Räuberbande Kreisch!“, rief jemand. Bridget schluckte. O je. Sie würde Mark, ihre Mutter, Tamy und Mary nie wieder sehen. Plötzlich wurde alles schwarz um sie. 

Als sie aufwachte, lag sie in einem dunklen Raum. Das erste, was sie sah, war Mary. Erleichterung machte sich in ihr breit.
Mary lebte und saß vor ihr. Und da war noch jemand. Auch ein Mädchen, ungefähr so alt wie Bridget.
„Hallo Lindsay“, sagte sie zu dem Mädchen.  
Dieses erschrak.
„Hallo“, sagte sie schüchtern.
Mary kauerte sich an eine Wand. Sie blickte zu dem Ritz, der als Fenster dienen sollte. Plötzlich schien es so, als ginge ihr gedanklich ein Licht auf. „Leute!“, flüsterte sie aufgeregt. „Ich weiß, wir türmen können! Wir verbreitern den Ritz! Wir sind in ersten Stock, das geht schon mit dem Springen. Könnt ihr das schaffen?“ „Klaro!“ „Dann los!“ Mary klopfte mit der Faust an die Seiten des Fensters. Nach schier endlosem klopfen bildeten sich Risse. Mary stemmte sich dagegen, doch es half nichts. Plötzlich hörte Bridget Schritte. Ein Räuber, vermutlich, kam. „Oh mein Gott,“ flüsterte Mary, „alles umsonst! Jetzt werden wir Hackfleisch!“ Der Riegel der Gefängnistür wurde zurückgeschoben. „Mitkommen!“ befahl ein bärtiger Dicker. Sie schlichen ihm nach. Auf halbem Weg sprang Mary ihn von hinten an und er fiel. Sie hopste über ihn  und rannte durch den Gang.  Sie schafften es aus der Burg. Auf dem Strand kam ihnen eine ganze Armee von Räubern entgegen. Sie kletterten über die Felsenwand in den Wald. Zwischen den Bäumen konnten sie sich gut verstecken. Die Räuber rannten an ihnen vorbei. Erschöpft schleppten sie sich zur Flugstation und schafften es gerade noch so in den Flieger. Im Flugzeug verschliefen sie die ganze Zeit. Eine halbe Stunde vor dem Finish wachten sie auf und stießen an. „Eine gelungene Reise, Mädels!“, lachte Mary.

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„Meinst du, das Poster soll über das Bett, oder besser an die Schranktür? He, hörst du mir überhaupt zu? Mila!“ Meine Freundin Sanni wedelte mir mit einem Poster vor der Nase herum. Wir saßen seit zwei Stunden in ihrem Zimmer und Sanni hängte Poster auf. Von wem wohl? Von Alexander Klaws, der für mich Alexander Kack hieß. Seit er von Sanni in der ersten Super- starstaffel angeglotzt wurde, war er ihr Schwarm und geistlicher Freund. Alle ihre Poster hatten einen dünnes Maul, weil Sanni je- des Poster morgens und abends abknutschte. Ich fragte mich ja die ganze Zeit, was sie an diesem Blödi fand. Er war nicht schöner als ein Ochse mit Kranz, dafür wurde er von Sanni geliebt. Obwohl frau sich lieber einen realen Freund suchen sollte als so einen Kackarsch.

Eine halbe Stunde später saßen wir im California und schlürften jede einen Milchkaffee. Zwischen den Schluckern erzählte mir Sanni die neuesten AN’s (Alex-News). „Sein neues Lied ist so süß! Findest du nicht auch?“ „Nein! Er ist blöd! Warum fragst du überhaupt? Du weißt, er ist nicht besser als ein geschmückter Ochs!“ „Du bist blöd! Alex ist das tollste, was es nur gibt!“ Mit diesen Worten rannte Sanni aus dem California, entkettete ihr Rad und fuhr weg. Höchstwahrscheinlich zu sich nach Hause, um sich vor den Alexpostern auszuheulen. Es sah ihr ganz ähnlich, sich in eine nicht zu bestehende Welt zu flüchten. Vor allem, wenn Probleme auftauchten, die mit der Schule oder mit mir zu tun hatten. Da sah, ich, wie mein Freund Nick auf mich zukam. Er setzte sich. „Hi Nick! Wie geht’s?“ „Gut. Und dir?“ Nick setzte sich. „Wie man’s nimmt. Sanni ist sauer, weil ich ihren Scheißalexander als dumm anerkannt habe. Frag mich nicht, was sie an dem findet.“ Nick runzelte die Stirn. „Das ist allerdings eine gute Frage. Höchstwahrschein- lich verkörpert er ihren Traummann. Obwohl der doch gar nicht so toll aussieht. Oder?“
„Absolut.“ Ich schlürfte an meinem Milchkaffee. Die Bedienung nahm Nicks Bestellung, Caffe latte, auf und verschwand.
„Ich denke, irgendwann, wird Sanni schon kapieren, dass dieser Alexander nicht das richtige für sie ist“, meinte Nick. Ich nickte. A finding  true blue Heroe... with big Love!

Nachdem ich mich von Nick verabschiedet hatte, lief ich nach Hause. Meine allein erziehende Mutter lag wie üblich auf der Couch und schlief. Sie führte eine Tierhandlung. Das machte sie ziemlich fertig. Dennoch fand sie immer noch Zeit, irgendwelche Frauengespräche mit mir zu führen, was in meinen Augen völlig überflüssig war. Ich lebte mein Leben so, wie ich es wollte und nicht, wie meine Mutter es richtig fand. Aber sie war auch ziemlich nett und ließ mir immer bis elf Ausgang. Als ich mich mit einem Burger in dem Sessel setzte, schreckte sie auf.
„Hallo. Wie war dein Tag, mein Schatz? Habt ihr nicht Mathe zurückbekommen?“ „Ähhh ...“ „Mila Steiner! Was hast du geschrieben? Sanni hat die übliche Eins, wie?“ „Mami, nicht ausrasten, okay? Vier minus. Ich üb auch für die nächste, wirklich...“ „Mila! Du solltest für die Arbeit üben! Die anderen Sachen sind Tests! Menschenskind, das gibt eine Vier im Zeugnis! Wenn, das so weitergeht, fliegst du von der Schule! Ich habe dich nicht umsonst auf das Gymnasium geschickt! Mathe üben und zwar sofort!“ Mit diesen Worten wurde ich in mein Zimmer verfrachtet. Wunderbar! Wirklich toll!

„Tut, mir Leid, dass ich vorhin einfach abgehauen bin.“
Ich hatte Sanni an der Strippe und redete mit ihr. Ohne den Gute-Nacht-Anruf konnte ich einfach nicht schlafen. Es musste Sanni genauso gehen, denn sie hatte angerufen.
„Schon okay, ich war ja auch nicht so nett zu dir.“
„Weißt du, ich glaube, du hast Recht. Frau soll sich lieber einen realen Freund suchen. Alexander sieht mich eh niemals. Auserdem bekommen wir einen neuen Schüler in die Klasse!“ „Männlich oder weiblich?“ Ich kicherte. Sanni käme nie auf den Lesbentrip.
„Ich hoffe doch mal, männlich. Heutzutage, ist es dumm, Lesbe zu werden.“ Wie wahr, wie wahr! Sanni räusperte sich. „Ja, also dann mal gute Nacht“.
„Schlaf gut!“, kam es von mir.

Am nächsten Morgen trafen wir uns an der Bushaltestelle. Sanni wackelte verschlafen mit ihrem blonden Pferdeschwanz.
„Morgen, was gibt’s neues?“ Danach ließ sie einen Gähner los, der nicht von schlechten Eltern war. Gerade klatschte sie sich Wasser vom Bürgermeisterbrunnen ins Gesicht, als der Bus kam. „Sanni, der Bus ist da! Komm! Du willst doch nicht den neuen Schüler verpassen!“ „Ich komme!“ Im Bus war es proppenvoll. Trotzdem bekamen wir wie durch ein Wunder, die Sitzplätze ganz weit vorn. In der Schule war es bis zur Deutschstunde ziemlich langweilig, da nur der Stoff für die Vergleichsarbeiten durchgemacht wurde. In der Deutschstunde jedoch, wurde es cool. Frau Mairhofer kam wie üblich zu spät und  hatte es wie so oft auf 13 Minuten Verspätung gebracht. Als sie jedoch in die Klasse kam, war das kein Thema mehr. Denn hinter Frau Mairhofer tappte ein absoluter Supertyp. Blonde Haare, blaue Augen, höchstwahrscheinlich sportlich und außerdem schlank. Bestimmt war der Kerl männliche Paris Hilton. Er sah aber auch super aus! „Super Kerl, oder? Der macht glatt Brad Pitt Konkurrenz! Frag mich, warum der nicht auf ´nem Laufsteg hopst!“, zischte mir Sanni zu.
„Sandra, Mila, was gibt es zu quatschen? Noch mal und Nummer zwölf auf Seite 168 im Buch freut sich, gemacht zu werden!“ Frau Mairhofers Stimme drang zu mir. Wenn die wüsste, worüber wir reden! Aber mich musste der neue Schüler eigentlich nicht kümmern. Wozu hatte ich Nick? Der war doch auch supernett! Wenn ich nur an die netten SMSchen dachte, die ich von ihm bekam! Er war einfach zum Abknutschen! Sanni hatte inzwischen nur noch Augen für diesen Typ.
„Alexander ist doof! Warum hab’ ich´s nie kapiert? Dieser Typ ist der absolute Superboy!“, schwärmte sie.
Ich zog die Augenbraue hoch. Superboy? Tut mir Leid, der Typ sieht zwar klasse aus, aber Superboy? Also nee. Mittlerweile erklärte er uns, woher er kam.
„Ja ähh, also, ich heiße Meik, komme aus Berlin und war dort an einer Modelschule. Wir sind in Mathe nicht ganz so weit wir hier, aber ich habe die Grundkenntnisse. Außerdem freue ich mich schon auf die neuen Mitschüler. Kann ich mich jetzt setzen?“, fragte er zu Frau Mairhofer gewandt. Sie nickte und verpflanzte ihn neben... mich! Alle Mädchen aus der Klasse wurden grün vor Neid. Tja, Glück muss frau haben und voilá - alles funktioniert! Lächelnd schaute ich ihn an. Sanni schubste mich zur Seite und grinste nun auch in sein Gesicht. „Hi!“, sagte sie. „Ich bin Sanni. Das ist meine Freundin Mila. Wollen wir uns zur Mathenachhilfe treffen?“ Ging’s der noch gut? War das nicht ein bisschen plötzlich und auch noch so direkt? Da kapierte er doch gleich, dass sie was von ihm wollte! Aber okay, sie konnte ihn haben. Ich schob meinen Rucksack an ihre Seite des Tisches und verfrachtete ihr Zeug an meine. Langsam schubste ich sie zu Mark hin. Dankbar lächelte sie mich an. Tja, ich konnte ja auch mal nett sein. Inzwischen hatte Frau Mairhofer wieder angefangen, zu unterrichten.
„Ja also, meine Lieben, nach dem Trubel um unseren netten Meik möchte ich dann bitte mit dem Unterricht fortfahren. Avril, verteilst du bitte diese Reclamehefte?“
Avril, unsere Klassenzicke, erhob sich und machte einen Umweg bei Meik vorbei. Als sie bei seinem und Sannis Tisch angelangt war, schüttelte sie ihre rote, mit schwarzen Strähnchen aufgepeppte, Mähne direkt vor seinem Tisch und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Sanni bekam einen eisigen Blick zu spüren. Doch das entlockte ihr nur einen frechen Spruch: „Oh Avril, schon wieder Frosties zum Frühstück schnabuliert?“ Avril schlug ihr wütend ins Gesicht: „Du blöde Nuss! Du wirst schon sehen, wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ Sanni runzelte die Augenbrauen. „Pass nur auf, wir werden schon sehen wer zuletzt lacht und wer die blöde Nuss ist! Dumpfbacke, du“ Avril stolzierte ohne eine weitere Bemerkung zum Lehrertisch. Frau Mairhofer hatte von diesem Zwischenspiel nichts mitbekommen und schickte Annika, die Hefte auszuteilen. Als Annika diesmal an Sannis Tisch trat, entlockte Sanni ihr nur einen Seufzer. „Mila, fang bitte an zu lesen“, forderte Frau Mairhofer mich auf, als Avril sich wieder gesetzt hatte. Ich begann zu lesen, obwohl ich lieber laut gelacht hätte. Wie konnte ein Mensch nur so einen Quatsch schreiben? Es war Theodor Fontanes Unterm Birnbaum.

„Zum Überfluss griff auch noch unser Freund,
der Kantorsohn,
der sich jeden Skandals mit Vorliebe bemächtigte,
in die Saiten ...

Morgenrot!
Abel schlug den Kain tot,
Gestern noch bei vollen Flaschen,
morgens ausgeleerte Taschen
und ein kühles, kühles Gra-ab.“

Die ganze Klasse kicherte. So ein Quatsch! 
Frau Mairhofer entließ uns dann in die Pause. Gerade, als ich es mir mit Sanni auf einer Bank nahe dem Getränkeautomat gemütlich gemacht hatte, stolzierte hocherhabenen Hauptes Avril mit ihren Busenfreundinnen Rey, Alanis und Nyla  her. Als sie dicht vor uns standen, spuckte Avril über unsere Köpfe. Sanni war komischerweise total eingeschüchtert, aber ich ließ mir das nicht bieten. „Was willst du?“, fauchte ich. Avril lachte gekünstelt.
„Rate mal.“ Mit zuckerweicher Stimme sagte sie das. Dann, nicht mehr so zuckerweich: „Bist du so bescheuert? Oder machst du nur so? Warum hast du mit Sandra getauscht und nicht mit mir? Glaubst du, ich fände Meiki nicht süß?“ Ich stutzte. So ein Schwachsinn. „Spinnst du? Ich tausche doch nicht mit jedem! Sanni ist meine beste Freundin! Dich kann ich mal gar nicht leiden! Warum sollte ich mit dir tauschen?“ Avril fauchte: „Wegen des Prinzips! Aber so was verstehst du wohl nicht!“ Nun hatte sich auch Sanni aufgerafft. „Du spinnst, Avril! Es ist nicht deine Sache, mit wem Mila tauscht! Und ich muss dir noch was sagen: Wenn sie mit dir getauscht hätte, wäre sie von Sinnen!“ Nun wurde Avril richtig wütend. Aber an ihrer Stelle sprach Rey: „Reizt sie nicht unnötig. Wir gehen jetzt. Avril, auch du. Und es ist wirklich nicht deine Sache, mit wem sie tauscht.“ Rey war schon in Ordnung. Eigentlich war sie nur Avrils Freundin, weil die Eltern sich gut verstanden. Da klingelte es und wir mussten wieder in die Klasse. Nach der Schule gingen wir zu mir und legten uns in Mamis und meine kleine Sauna. Sanni fing sofort von Mark an.
Plötzlich klingelte mein Handy. Eine SMS von Nick. Wie schön! Was ich dann allerdings las, war weniger schön: Liebe Mila, es tut mir Leid, es dir so zu sagen, aber anders traue ich mich nicht. Aber es ist, wie es ist: Ich bin fremdgegangen. Mit Angeliqué aus meiner Klasse. Sie ist sehr nett und liebt mich. Wir treffen uns seit Wochen. Angeliqué weiß nichts von dir. Bitte sag es ihr nicht. Ich liebe sie wirklich. Bitte sei mir nicht böse.
Allerliebst, dein Nick, der dich nie vergessen wird
Waaas?! Er hat eine ANDERE?! Im ersten Augenblick konnte ich es nicht fassen. In meinem Kopf war nur eins: Rache. Rache für seine Lügen! SCHUFT! FLACHWICHSER! LÜGNER! LOOSER! ARSCH! FICKER! VERRÄTER! Mit traten die Tränen in die Augen. Spontan fiel mir ein Jeanettelied ein: It’s over now I wanna stop to 
Be in love
But that surely comes as
No surprise
It’s over now
The end is near
You’re gonna take your
Love sompleace
That is what I’m reading
From your eyes
Traf wunderbar zu! So ein falscher Hund!
Nachdem ich Sanni alles geschildert hatte fuhr sie heim. Fertig mit der Welt legte ich mich in den Ruheraum. Ich nahm mir eine Zeitschrift. Eigentlich interessierte mich so was nicht, aber da las ich eine Überschrift: Liebeskummer? So machst du deinem Ex die Hölle heiß! Ach? Das war ja mal interessant! Neugierig las ich den Artikel. Liebeskummer? So machst du deinem Ex die Hölle heiß! Du weinst nur noch, weil dein Ex dich verlassen hat? Schwamm drüber! Mit diesen kleinen Wutablassern hast du ihn bald vergessen! Aber merke: Das Beste gegen Liebeskummer ist immer noch ein neuer Freund.
He, das klang mal gar nicht schlecht! Sofort nahm ich eine Sache von nick, wie es da stand, und verbrannte sie. Es war ein Stoffherz gewesen, welches er mir mal geschenkt, so ganz nebenbei. Also war es auch eigentlich nicht so schade drum, oder?

Nachdem ich alles gemacht hatte, kam Mam heim.
„Wie geht’s?“
„Gut.“
So siehst du aber gar nicht aus, Milamäusschen. Gab es Ärger in der Schule?“ „Nein.“ „Irgendwas mit Sanni? Streit oder so?“ „Nein, Mama.“ „Ist mit Nick alles im grünen Bereich?“ „Mensch Mama, ja!“ Mami runzelte die Stirn. Offenbar glaubte sie mir dies alles nicht, denn sie zog ihre Augenbrauen hoch.
„Es ist wirklich alles okay. Fast alles zumindest.“
Mam schaute mich an. „Fast? Wieso nur fast?“, fragte sie.
„Ach weißt du... Ach... Nick hat sich von mir wegen einer Angeliqué getrennt.“ „Wie bitte? Flachwichser!“, fluchte Mama.
Flachwichserei? Meine Mutter wurde mir immer sympathischer! Nach dem Abendbrot gingen wir vor den Fernseher. Gerade fing Totally Quiz mit Jake Peters an. Gespannt lauschten wir. Der Kerl war nämlich wirklich witzig. „Hallo zu einer neuen Ausgabe von Totally Quiz! Diesmal ist Andreas Brisant mein Rate- partner und ist mit Frau und Sohn hier. Applaus für Andi!“ Brisant? Frau und Sohn? Meik, schoss es mir durch den Kopf. Der hieß doch auch Brisant! Und ... wirklich. Er war es. MEIK! Cool! Nick... Adieu!

Am nächsten Morgen in der Schule fehlte Mark. Seine Fehlen wurde von der Neuigkeit einer Refendarin, Frau Winter, sowieso übertönt. Sie war voll nett. Sie setzte sich hinter die Sitzreihen und schaute uns alle freundlich an. Leider entging ihr, dass
Hallo Loser!
Wenn ihr Meik  wirklich bekommen wollt, müsst ihr euch schon mehr anstrengen! Er steht nämlich nicht auf Schmachtis! AVRIL Blöde Kuh! Als ob Meik auf Zicken wie Avril Dünnmann stand! Dann wäre er dämlich! Also wirklich! Blöde Nuss. Sanni grinste mir zu. Als sie aber den Brief  las, weiteten sich ihre Augen vor Entsetzen. „Meinst du, Avril hat was gemerkt?“ „Wieso? Du hast es doch geheim gehalten! Oder?“ „Klar!“ Da rief unser Mathelehrer Guggelmann auch schon den Nächsten auf. Es war Nyla, Avrils Freundin. Normalerweise ist Nyla jemand, der viel lacht. Meistens vor Schadenfreude, aber auch öfters herzhaft. Nur nicht, wenn sie im Matheunterricht an die Tafel musste. Auch Guggelmann fiel Nylas gesenktes Gesicht auf. „Was ist denn, Nyla? Du siehst ja aus wie sieben Tage Regenwetter!“ Da sagte ich zu Sanni: „Wie sieben Tage Regenwetter? Hatte der denn keine Augen im Kopf? Nyla sah aus, wie drei Monate Sintflut! „Also Nyla, wenn es dir überhaupt nicht gut geht, lass dich abholen. Wer möchte mit Nyla gehen? Alanis? Gut. Lauft schnell los. Avril und Rey packen deinen Rucksack.“
Alanis und Nyla gingen zum Sekretariat. Als sie etwas später wieder kamen, war Nylas Mutter dabei. Sie holte Nylas Rucksack und verschwand mit ihrer Tochter. Man musste ja auch unbedingt abgeholt werden, wenn man im Matheunterricht an die Tafel musste! Wenn der das noch öfter machte, hatte er bald keine Schüler mehr in seiner Klasse. Inzwischen hatte es geklingelt und alle gingen nach draußen. Als wir draußen waren, schubste ich Sanni ins Mädelklo. Sie sah etwas genervt aus, hörte mir aber geduldig zu. „Also, ich laufe jetzt zu Nick. Und sage, was gelaufen ist. Mit einem, von der sie als Fremdgeherdings hinhalten musste, will sie bestimmt nichts zu tun haben. Und - schwupp- steht auch Nick alleine da!“ Sanni nickte. Jetzt lief sie los. Wenn das mal gut ging!
Ging es.
Gegen halb eins lief ich zu dem Klassenzimmer von Nick. Er trat gerade heraus. An seiner Seite... man sah die gut aus! Langes, schwarzes lockiges Haar, bis zur Hüfte, Designerklamotten von Chanel, und einen Seideeastpack. Trotzdem, frau lässt sich nicht berauschen, Bauch rein, Po und Brüste raus, arrogantes Gesicht gemacht und hingeeiert. „Hi Angelique! Ich wollte nur wissen, wer meine Nachfolgerin ist. Nick war mal mit mir zusammen. Bis vor genau 33 Stunden nämlich. Nicht wahr Nick?“ Nick sah mich entgeistert an und Angelique sah Nick an.
„Mit so einer Pute bist du zusammen gewesen? Arsch!“ Angelique stob davon.
Nick sah mich sauer an.
„Was sollte das denn gerade eben?“
„Frau tut, was sie kann!“
Dann ging ich.
Am 19. Dezember empfing Sanni mich mit dramatischem Gesicht am Schultor. Bevor ich sie grüßen konnte, fing sie schon an, zu reden.
„Avril hat gepetzt. Sie hat verraten, dass wir  in ihn verliebt sind”, sagte Sanni. „Ich finde das so unfair! Gleich geh’ ich zu Rey und sag’, dass Avril ins Bett pisst! Oh, diese Wichserin!“ Sanni murrte. Da kam uns unser Referendar entgegen. Er war noch ziemlich jung und supersüß. Er war so beliebt, dass die Jungs ihn zum Fussballspielen einluden und die anderen Lehrer vor Neid erblassten. Er wedelte mit einem Zettel.

F L I R T A B E N D
Mit vielen Shops und allem drum und dran um das Thema  Liebe! Magst du eine/n Freund/Freundin?  Hier bist du richtig! Einfach anmelden unter der Nummer: 0365/52453258
ODER:
Im Pircingstudio Ring & Heftig
Schwantalergasse 34
Anmeldung bis 10 Tage vor der Veranstaltung.
Wir wünschen viel Spaß!
Wann: 02. Januar um 20.30 Uhr
Wo: Im Jugendhaus Blink 180
Veranstalter: Stephan Sommer-Lakenbrand

Wow! Da werde ich hingehen, das würde bestimmt super lustig werden. Sanni runzelte die Stirn. “Da gehe ich nicht hin, vergiss es”; sagte sie.
Och Mensch! Egal. Gegen einen lustigen Abend zu zweit mit Video und so hatte ich auch nichts.
Doch daraus sollte nichts werden.

Als ich um halb acht bei Sanni eintrudelte, hatte sie in ihrem Zimmer Kerzen und Räuchestäbchn aufgestellt. Ich mochte die Dinger ganz gern, also. Sanni meinte: Dir kann nur noch mit Liebeszauber geholfen werden, wie soll das sonst bitte weitergehen?” Gleich sagte sie mir, sie wäre Bibi Blocksberg. Und ich Schubia, oder wie sollte ich das hier verstehen? „Ich bin garantiert nicht Bibi“, sagte Sanni da im meine Gedankensprünge und schob mich auf ein Seidenkissen.  Spinnte sie jetzt vollkomen? Es gab nur eine Antwort: Jaaaaa! Sanni drückte mir ein Pentakel in die Hand und murmelte was. Dann rupfte sie Rosenblätter in einen Topf und murmelte dabei beschwörerisch: „Mondin, ich rufe dich. Hilf meiner Singlefreundin Mila, einen Freund zu finden, oder ich drehe durch!“ Durchdrehen konnte sie aber auch allein.
Etwa einen halbe Stunde später, ich war schon längst eingepennt, klingelte es an Sannis Haustür. Ein verheißungsvolles Päckchen wurde abgegeben.
„Vorsicht Glas! Steht hier drauf,“ sagte die Postbotin.
„Würden sie  mir bitte hier unterschreiben?“
Sanni unterschrieb und die Tussi zischte ab.
Als Sanni wieder reinkam, wachte ich auf. „Was ist das?“ wollte ich wissen. Sanni zuckte mit den Achseln und machte es auf. Darin war ein mit Herzchen volles Glas. Im Glas war ein Zettel. Darauf stand: „Liebe Mila, ich muss dir was sagen. Meik“.
„Wow!“ stieß Sanni hervor, „Der ist in dich verknallt! Bestimmt! Steht da irgendwas drauf, wann es ist?“ Ich suchte und fand.
„Ja, da. Dienstag, 21.12.2004 im Schlosspark an der Trauerweide. Cool! Vielleicht mag der mich wirklich!“ – „Garantiert! Der ist ja auch supersüß! Viel Spaß!“ Ich rannte los. Ich war so schnell, wie ich mich noch nie erlebt hatte. Als ich ankam, war Meik noch nicht da. Ich wartete etwas, da traf mich der Schlag. Ich murmelte als ich das sah, was ich sah: „Ach du gelocktes Meerschwein, was ist denn  das?“ Meik und Herr Guggelmann knutschten miteinander. Ich glaubte es ja nicht, was waren denn das für Schwulis! Als Meik mich sah, hörte er auf.
„Ja also, Mila, du siehst es: Ich bin schwul. Tut mir Leid, dass du es so erfahren musst, aber, du weißt schon...“ Weg war er. Ich konnte nur noch eins sagen: „Jetzt ist’s mit neuen Schülern und so aber endgültig vorbei!“

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