Ein schöner Gruß also, fast so etwas wie ein Segen. Denn wie heißt es am Ende des Gottesdienstes? Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Der tägliche Segen
Dieser Segenswunsch ist schon ziemlich alt. Er steht im Buch Mose (4. Mose 6,24) und wird aaronitischer Segen genannt. Die merkwürdigen Formulierungen mit dem Angesicht stammen aus der Zeit alt-orientalischer Herrscher. Wenn ein Untertan vor seinen Herrscher trat, kam es nämlich darauf an, ob der Herrscher „sein Angesicht über ihn hob“ – ob er ihn also ansah. Wenn er das tat, war alles in Ordnung und der Untertan konnte mit Aufmerksamkeit und guter Stimmung rechnen. Wenn der Herrscher sein Angesicht jedoch nicht erhob, war es für den Untertan besser, gleich wieder zu verschwinden.
Der Segen aus dem Gottesdienst wünscht den Menschen also das Gleiche wie das Grüß Gott! Gott soll gnädig mit ihnen sein. Er soll die Menschen ernst nehmen und sie wohlwollend ansehen.
Natürlich weiß kaum jemand, was das Grüß Gott! Eigentlich bedeutet. Aber es ist trotzdem nett, dass sich jeden Tag so viele Leute Gottes Segen wünschen, oder?
Und: Tschüs!
Übrigens: Nicht nur in der Begrüßung, auch in manchem Abschiedsgruß versteckt sich der liebe Gott. Unser locker-flockiges Tschüs kommt vom spanischen Adios, und das bedeutet nichts anderes als: zu Gott (a dios). Auch das französische Adieu hat diese Bedeutung. Wer sich mit einem Tschüs verabschiedet, wünscht sich und den anderen näher „zu Gott“.