Pfarrerin Petra Kringel beantwortet deine Mail und sagt bestimmt nichts weiter.

Wenn das Herz ein Pflaster braucht

Wenn eine Beziehung zu Ende geht, tut das immer tierisch weh. Umso schmerzhafter ist Schluss-Machen für alle, die Liebeskummer zum ersten Mal durchleiden. Dabei ist es wichtig, sich Zeit zu lassen, sich nicht krampfhaft wieder „super“ fühlen zu wollen – sondern lediglich „etwas weniger schlecht“.

Es ist früh am Morgen, der Wecker klingelt, du musst aufstehen, duschen gehen, dich anziehen, zur Schule. Aber heute hast du plötzlich keine Kraft für all das. Willst weiterschlafen, dich in deiner Bettdecke vergraben, dich am liebsten verkriechen vor der Welt. Und alles was du fühlst, ist dumpfes Schwarz. Denn dein Freund hat mit dir Schluss gemacht.

 Wenn eine Liebe zerbricht, eine Beziehung zu Ende geht, tut das immer höllisch weh: gefühlsmäßig von heute auf morgen, ist man kein „Wir“ mehr. Nur noch ein „Ich“. Was umso mehr schmerzt, wenn es die erste Beziehung war. „Wer das erste Mal Liebeskummer hat, für den ist er auch besonders schlimm“, unterstreicht Susanne Kolbe, 58 (Foto oben). Für die Heidelberger Paartherapeutin ist es das Normalste der Welt, wenn ein junger Mensch mit erstmals gebrochenem Herzen viel mehr als andere darunter leidet. „Er hat ja keine vergleichbare Erfahrung, auf die er zurückgreifen könnte und keinerlei Orientierung, weil er die Situation nicht kennt, in die er so plötzlich hineingeworfen wurde.“

Du bist nicht alleine!

Liebeskummer ist vertrakt. Ein gebrochenes Bein ist für jeden sichtbar, das Leid durch den Gipsverband regelrecht greifbar. Ein gebrochenes Herz, das ein Trostpflaster braucht, ist für Außenstehende aber nicht sichtbar. Nur der Inhaber weiß, wie weh es tut und fühlt sich schrecklich alleine damit. Umso wichtiger, sagt Klaus Oelbracht, 37, Psychotherapeut aus Münster (Foto links unten), sei es, Rat zu suchen: am besten bei Gleichaltrigen, die schon Beziehungserfahrungen haben. „Von ihnen kann man erfahren, dass Liebeskummer immer weniger wird über die Zeit“ und dass da wieder ein neuer Mensch kommen wird, auch wenn man sich das gerade absolut nicht vorstellen könne. Wesentlich sei es, sich diesen Gedanken in den Kopf zu holen: „Aha, Andere kennen das auch, ich bin mit meinem Leid also nicht alleine!“

 Wichtig sei auch, sich Zeit zu geben beim Verarbeiten der Traurigkeit, unterstreicht Therapeut Oelbracht. „Und dazu gehört, dass man sich auch mal lässt, wenn man gerade mal keine Kraft hat. Dass man sich einfach mal nur einen Tee kocht und sich selbst auch gestattet, sich für einen Nachmittag zurückzuziehen“ - zu erspüren, wann die Seele eine Wärmflasche braucht, sie ihr dann auch zu geben. Und danach wieder aufzustehen.

Sich nicht „super“ fühlen wollen, sondern „etwas weniger schlecht“

Was einem besonders frühmorgens schwerfällt. Ein ganzer neuer Tag liegt da vor einem, mit Dingen, die einen ohnehin im Alltag nerven, und schlimmstenfalls hat man noch vom Ex-Partner geträumt. Da tut man sich gut, wenn man seine Ansprüche an sich selbst herunterschraubt: die Traurigkeit nicht einfach wegzuwischen, indem man von sich verlangt, sich „super“ fühlen zu wollen, sondern lediglich „etwas weniger schlecht“ - wer das erreicht, hat schon viel erreicht!

Hilfreich ist dafür, sich einen richtigen Plan zu machen, für Handlungen, die einem klein und banal erscheinen, aber einen mit entscheidender Kraft sanft in den Tag schubsen: Bettdecke zurückschlagen, Beine aus dem Bett schwingen, ins Bad schleichen, sich anziehen, an den Frühstückstisch tappen. Und wenn man keinen Hunger hat, sich vorzunehmen, wenigstens ein bisschen Kakao zu trinken. „Man könnte eine Freundin zu Hilfe holen, die einen morgens als erstes auf dem Handy anruft“, schlägt Psychotherapeut Oelbracht vor.

Die Gefühle laufen kreuz und quer – und das ist normal!

Gekennzeichnet ist Liebeskummer von verschiedenen emotionalen Abschnitten: Nicht Wahrhaben-Wollen und Verleugnen, dass Schluss ist, danach das Erleben von aufbrechenden Gefühlen bis hin zur Neuorientierung und dem eigentlichen Abschied, der die Seele in altes neues Gleichgewicht pendelt. Ein Prozess, der nicht geradeaus verläuft. „Liebeskummer gliedert sich zwar in verschiedene Phasen, aber es ist nicht so, dass diese Phasen brav hintereinander herlaufen“, sagt Petra Kringel, 41 (Foto unten), evangelische Pfarrerin und Seelsorgerin, unter anderem für "konfiweb.de". „Diese Phasen laufen kreuz und quer – und das ist völlig normal.“

 Bewegung sei eine gute Methode, um das Chaos ein Stück weit besser auszuhalten, so Kringel. „Wer Sport treibt, tut sich leichter, mit dem Schmerz“. Und auch, wer die Finger vom Alkohol lässt. „Alkohol hilft nicht dabei, den Schmerz zu verarbeiten, sodnern betäubt ihn nur, drängt ihn zurück. Solange die Wirkung des Alkohols anhält, liegt der Schmerz quasi brach, bleibt unbearbeitet. Man fühlt sich im ersten Moment besser, aber das trügt. Und wenn die Wirkung des Alkohols nachlässt, spürt man den Schmerz dann umso deutlicher.“

„Wenn ich das überstanden habe, schaffe ich auch noch Anderes!“

Zieht man sich allerdings langfristig zurück, weil „es keinen Ausweg zu geben scheint, sollte man professionelle Hilfe aufsuchen“, rät Psychologin Susanne Kolbe: „Ein bis zwei Wochen trauern ist okay - ein bis zwei Monate sind zuviel.“ Dasselbe gelte, so ihr Kollege Oelbracht, „wenn man an sich Verhaltensweisen entdeckt, die man von sich nicht kennt, wenn man seinem Ex-Partner etwa übereifersüchtig hinterherschnüffelt“ - dann rät auch er, sich einem Psychologen anzuvertrauen, der einen für eine Zeit beim Abschied-Nehmen begleitet.

Und auch, wenn ein komplettes Loslassen wichtig ist, um sich wieder für einen neuen Menschen zu interessieren, „sollte man sich dabei nicht unter Druck setzen“, bekräftigt Oelbracht. „Man kann sicher sein, die Distanzierung passiert nebenbei, parallel zur Zeit, die vergeht. Dabei kann man sich denken: ,Wenn ich das überstanden habe, schaffe ich auch noch Anderes im Leben!“

Text: Almut Steinecke

 

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