Alkohol

Christian ist mit 17 Alkholiker. © iStock/KatarzynaBialasiewicz

Artikel | 29.06.2016 | Almut Steinecke

Warum wird man mit 17 zum Alkoholiker?

Seinen ersten Alkopop hat Christian mit elf Jahren getrunken. Irgendwann brauchte er jeden Tag Alkohol. Christian ist Alkoholiker und kämpft darum, trocken zu werden.

Zusammenfassung

  • Mit elf Jahren hatte Christian seinen ersten Drink, mit 17 war er Alkoholiker und kriminell.
  • Die familiären Probleme hat Christian mit Alkohol versucht zu betäuben.
  • Heute kämpft er gegen seine Sucht an, lebt in einer Wohngruppe und macht eine Therapie.

Eigentlich sollten Kinder mit elf Jahren keinen Zugang zu Mixgetränken aus Bier und Energydrinks haben, aber Christian war in einer Clique mit älteren Freunden in seiner Heimatstadt Fürth unterwegs. Die 18-Jährigen gingen einfach in den Supermarkt und kauften den Alkohol, auch für Christian. Heute ist er 17 Jahre alt und Alkoholiker. Seit sieben Monaten macht er eine Therapie in der Wohngruppe von „Freedom“ in Waldkirchen. Freedom ist eine Einrichtung, in der suchtkranke Jugendliche Hilfe von Ärzten und Psychologen bekommen.

Zitat

Wer ein fremdes Auto aufbricht, ist ein Verbrecher


Christian

"Irgendwann habe ich jedes Wochenende getrunken. Irgendwann jeden Tag"

Zum ersten Alkopop kamen bei Christian irgendwann der zweite und der dritte, bald war das Trinken für ihn ganz normal. „Irgendwann habe ich jedes Wochenende Alkohol getrunken. Dann jeden zweiten Tag. Und irgendwann jeden Tag“, sagt er. Dass er seine Dosis langsam immer höher schraubte, war ihm nicht bewusst. „Anfangs habe ich noch nicht so viel vertragen, da war ich nach vier oder fünf Bier platt.“ Mit der Zeit spürte er die Wirkung des Alkohols nicht mehr so stark. Die angenehme Entspannung stellte sich dann erst ein, wenn er viel trank. Sein Körper hatte sich längst an den Alkohol gewöhnt und brauchte nun täglich eine größere Menge.


Die Wende kommt am Tiefpunkt

Als seine Eltern sich schließlich trennten, zog Christian mit seiner Mutter in eine andere Wohnung. Aber das Leben wurde jetzt erst recht zum Albtraum, denn seine Mutter fing selbst an zu trinken. Eines Abends rauschte sie betrunken mit ihrem Auto gegen eine Straßenlaterne. Die Alkoholfahrt kostet sie fast das Leben. Auch mit Christian ging es bergab, die Polizei erwischte ihn bei einem Autoeinbruch. Als die Beamten beim Vater klingeln und ihm von der Straftat seines Sohnes erzählen, kam endlich die Wende.

Der Vater merkt zum ersten Mal, dass sein Sohn trinkt

Christians Vater wurde plötzlich wach. Er holte seinen Sohn zu sich und merkte jetzt zum ersten Mal, dass Christian Alkohol trinkt. Und dass er viel trinkt. „Es war mein Vater, der mich bei Freedom angemeldet hat“, erzählt Christian. Seitdem lebt er in der Stadtwohngruppe „Waldkirchen“ zusammen mit 16 anderen suchtkranken Jugendlichen. Noch mindestens ein halbes Jahr wird Christian hier bleiben. Dafür hat er seine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker unterbrochen, seine Kenntnisse frischt er aber jeden Tag durch ein Praktikum in einer Autowerkstatt auf.

Ein guter Rat!

„Welchen Rat würdest Du anderen Jugendlichen geben?“, fragen wir Christian. Er schweigt lang. Denkt nach. Dann lacht er kurz auf, zuckt mit den Schultern. „Was soll ich sagen? Wenn die Jüngeren diesen Text hier lesen, haben sie vielleicht ein Grinsen im Gesicht. Viele denken vielleicht: ,Meine Güte, jeder trinkt doch mal was, das ist doch normal, und mir wird das sowieso nicht passieren.‘ Aber genau so darf man eben nicht denken. Alkohol ist gefährlich. Er macht abhängig. Es geht alles so viel schneller als man merkt.“


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